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Kunstkreis E.V.Norden07.11.2004 

1) HeikoGroth:Begrüßung 
2) Auguste Rulffes: Einführung (Ausstellung / über den Künstler)

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde der Kunst!
Wem die Bilder von Ralph Billmann begegnen, der wird sofort angesprochen von der intensiven,temperamentvollen,

bisweilen eigenwilligen Farbigkeit, von der Vielfalt der Formen und Zeichen, die aus jedem einzelnen Bild hervortreten.
Wer ist dieser Mann, der so eigenwillige, aussergewöhnliche Bilder malt? Voller Vielfalt und Farbigkeit wie seine

Kunst ist auch sein Leben: Ralph Billmann, Maler, Musiker, Kinderbuchautor, Jahrgang 49, ist gelernter Fräser,
Schaufensterdekorateur, Taxifahrer, Postbote und alles und alles. – 
Bis er ab 1979 Bauwirtschaft und Architektur studierte. Bis heute arbeitet er als Architekt in Berlin.

Und spielt seit Jahrzehnten in verschiedenen Jazzgruppen Klavier (vor Jahren auch mal hier in Norden),hat schon

8 Kinderbücher geschrieben, die er natürlich auch illustriert hat.
Und malt daneben schon immer. Eigentlich, wie er sagte, schon seit seiner Schulzeit kontinuierlich. 

 

 


 

 

ralph mit schultüte

Ralph Billmann 1956

 

bauernhof-1

Ralph Billmann  -  Bauernhof - Buntstift auf Papier  1958

                    

Und so ist auch seine Kunst getragen vom Interesse am Neuen, am Überraschenden und am Zusammenwirken von Bildelementen, die man nicht vermutet, die wir in der Wirklichkeit nicht kennen oder die sich uns im Bild erst Schritt für Schritt erschliessen.
So z. B. in dem Gemälde
Patras am Hafen, das auch auf der Einladungskarte zur Ausstellung zu sehen ist: Kaimauern, Hafengebäude, Wasser, Schiffe; alles verschränkt, verschachtelt, überlagert sich zu einer schon fast kubistisch zu nennenden Konstruktion. Darüber segeln die Fische; schemenhaft angedeutet huschen menschliche Figuren. Hier spürt man die Freude des Musikers, der die Mauern tanzen lässt und die Fische und die Menschen dazu. Und natürlich die lächelnde Souveränität des Architekten, der als Künstler heiter die Regeln der Statik einfach Regeln sein lässt.  So auch in dem Bild „Rom“. Nur auf den ersten Blick eine Architekturdarstellung. Das Spiel mit der Perspektive, mit Vordergrund / Hintergrund, oben und unten macht daraus eine interessante Inszenierung der Spannung zwischen Farben und Formen, die einerseits miteinander korrespondieren und auf der anderen Seite sich antithetisch zueinander verhalten.

Geradezu surreal in seiner Gesamtkomposition das Bild „Chinesische Mauer“. Auch hier kann der Architekt es nicht lassen, zumindest die Zinnen auf der Festungsanlage zu zitieren, die allerdings nicht sehr wehrhaft sich ausnehmen. Darüber aber schwingt und tanzt die Welt und der chinesische Drache ist ein harmloses Kalb – oder so. Übrigens keine schlechte Fabel für ein neues Kinderbuch Herr Billmann?

Ganz besonders musikalisch das Bild „Sao Paulo“. Stark stilisierte weibliche Figuren, durch dunkle Umrisslinien markiert, scheinen dennoch in fließenden Übergängen miteinander zu verschmelzen in einem weichen Rhythmus. Von tiefem Blau umgeben scheinen sie zu schweben. Eher eine Vision als eine Darstellung, eher ein Traum als Wirklichkeit.

Diametral entgegengesetzt die Auffassung vom Menschen in dem Bild „Afghanistan“,.Eine Gruppe stark abstrahierter Figuren, bedroht, bedrohlich dicht gedrängt. Die Farbigkeit ist fest, geradezu versteinert, das Rot springt grell daraus hervor, der Duktus ist schwer und massiv. Eben der andere Blick desKünstlers auf die Menschen und ihre Lebenswelt.

Aus allen hier ausgestellten Gemälden spricht die grosse Phantasie des Künstlers, der es nicht lassen kann und selbst in eine scheinbar realistische Landschaftsdarstellung „Burgruine“ noch ein paar durchsichtige Bäume hineinmontiert oder ein nicht vorhandenes Mauerwerk.
 

Eine geradezu surrealistische Szene ist jedoch das Bild „Theatre de Paris“. Man sieht einen Vorhang, eine bühnenartige Fläche vorn, die weissen Punkte könnten das Publikum sein. Oder auch nicht? Vielleicht nur ein malerisches Spiel mit der Farbe Blau? Jedenfalls ist der Betrachter eingeladen auf diese Bühne, die ja geradezu auf ihn wartet.
 

Ein Spiel mit der Farbe Grün das Bild „La Coruna“: Schlangenartige, weich sich windende Formen bestimmen die rechte Bildhälfte in vertikaler Bewegung, die in der Horizontalen aufgefangen wird von einem wunderbaren Blau. Ein intensives Gelb- Orange bringt die Farben zum Glühen und Funkeln. Musikalität in Farbe.
 

Meine Damen und Herren, wir lernen mit Ralph Billmann einen interessanten, aussergewöhnlichen Künstler kennen, den wir nicht einordnen können und wollen in irgendeine Schule oder einen Ismus. Dieser Künstler ist ganz und gar er selbst. Er schliesst sich keinem Modernismus, keiner aktuellen Bewegung an.
Und diese Eigenständigkeit, die in seiner gesamten Bildsprache sich niederschlägt, ist es, die uns an diesem Künstler und seinem Werk anzieht.

Lieber Herr Billmann, ich wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihre Ausstellung.



        HeikoGroth, 1. Vorsitzender,Auguste Rulffes, 2. Vorsitzender,Ines Göbel, Schatzmeister

 

 

 

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Der Katalog zur Ausstellung

 

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Vernissage in der Praxis für Innere Medizin in Berlin - Friedenau, Bundesallee 104-105 - Vernissage am 15.November 2013

Eröffnungsrede von Frau Dr. rer. physiol. Heike Göllner, MBA

„Na du kleiner Rabe!“ riefen die Enten, die an Wilhelm vorbei flogen. „Wo willst du denn hin?“

„Ich bin kein Rabe. Ich bin Wilhelm der Vogel, der zum Mond fliegt.“
Die Enten fingen vor Lachen an zu quaken. Sogar der Frosch, der mit Ihnen flog,
quakte laut.

„Na so was Verrücktes haben wir auch noch nicht gehört!“ schnatterten die Enten.
„Flieg lieber mit uns. Wir fliegen der Sonne entgegen, nach Süden, da wo es schön
warm ist.“

Das war Wilhelm egal.
„Quakt ihr nur, ich fliege weder zum Meer noch zur Sonne – ich fliege zum Mond –
basta!“

Lieber Ralph Billmann, liebe Gäste
Wilhelm macht nicht das was man ihm sagt. Er provoziert nicht, er will sich nur nicht
verbiegen lassen, er will frei sein in dem was er tut. Und er will gehört, er will erkannt
werden.

Wilhelm der Vogel ist eine Figur aus einem der vielen Kinderbücher die Ralph
Billmann geschrieben und illustriert hat.

Er hat sich Wilhelm ausgedacht, er hat ihn
sich vorgestellt, er hat ihn gemalt, er hat ihm seine Träume gegeben und seinen
Charakter beschrieben.

Er hat sich die Geschichte von Wilhelm dem Vogel
ausgedacht. Doch steckt in Wilhelm nicht auch ein bisschen Ralph Billmann?

Aufgewachsen in einer Welt, zu der er nur wenig Zugang hatte, findet er in der
Malerei und der Musik seine zu Hause.

Über die Kunst gelingt es Ralph Billmann mit
den Menschen in Kontakt zu treten. Seine Musik bewegt, seine Bilder berühren.

Er malt die Dinge auf seine Weise, so, wie er es sieht. Schon zu Schulzeiten ist der
Himmel auf Ralph Billmanns Bildern nie blau.

Das irritiert die Lehrer, sie fühlen sich provoziert. Doch Ralph Billmann ist das egal, er bleibt sich treu.
Das ist ihm wichtig. Er will sich nicht vermarkten, sich verbiegen um zu gefallen.

Er studiert Architektur, er arbeitet im Bauamt Süd. Er macht sein Talent, seine Kreativität nicht zum Beruf um frei zu bleiben.

Frei in der Entscheidung welche Farbe
er wählt, welchen Ton er anschlägt, wie sich die Form gestaltet, was er kontrastiert,
wohin er den Blick lenkt, auf welchen Gegenstand er sich konzentriert und welche
Perspektiver er durchbricht.

Dabei bleibt Ralph Billmann neben dem Abstrakten auch
immer am Gegenstand.

Seine Bilder entstehen auf der Leinwand, es gibt keine
Vorlagen. Und so sind Ralph Billmanns Bilder Abbilder seiner Gedanken, seiner
Welten.

In diesen Welten folgt nichts den physikalischen Gesetzten, Treppen
verschwinden im nichts. Fluchtpunkte werden gesetzt, um sie gleich wieder
aufzulösen.

Es wird konstruiert um gleich mit dem nächsten Pinselstrich die
Perspektive zu zerstören. Dabei schafft es Ralph Billmann durch die Auflösung der
perspektivischen Gesetze einen offenen Raum zu schaffen in dem sich Farbe und
Form frei entwickeln können.

Sie lösen sich vom Gegenstand und bleiben doch mit
ihren Fragmenten verbunden. Auch wenn der zerstörte Blick den Betrachter verwirrt,
wird er, wenn er bleibt, immer mehr erkennen und verstehen.

Ralph Billmann fordert den Betrachter auf hinter die Perspektive zu schauen, die
Fassade zu hinterfragen. Er reißt sie auf seinen Bildern für uns ein und gibt uns ganz
offene Einblicke in seine Gedankenwelten. Wir sind eingeladen uns diesen Welten zu
öffnen, die Räume aus Farbe und Form zu betreten, uns frei zu machen von
Perspektiven und die eigenen Fluchtpunkte zu suchen.

Und wie Wilhelm der Vogel, will sich Ralph Billmann nicht verbiegen, will er frei sein
und er will gehört werden und erkannt sein, in dem, was er tut.

Ich freue mich heute Abend auf Ralph Billmann und auf seine Bilder. Viel Spass.